Kind weg?

Scheidung - was wird aus unserem Kind?

Erste Schritte als Betroffener:

Wer nicht handelt, der wird behandelt!
Was tun? Nach einer Trennung ist es grundsätzlich möglich, dass der Vater den Lebensmittelpunkt für sein Kind darstellt. Da dies im praktischen Leben aber seltener vorkommt, formuliere ich der Einfachheit halber den folgenden Text so, dass die Mutter des Kindes den Lebensmittelpunkt darstellt und der Vater seine Rechte und Pflichten gegenüber seinem Kind erhalten möchte.

  • Über die Situation mit der Mutter des Kindes reden statt zu schweigen. Dabei geht es nicht um die eigenen Interessen, sondern um Entscheidungen, die im besten Interesse des Kindes sind. Wenn dies nicht gelingt, dann ...

  • gemeinsam mit ihr eine Beratungsstelle aufsuchen. Die Familienberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände (Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Rotes Kreuz u.ä.) nehmen beratende und vermittelnde Funktionen in diesen Fragen wahr. Wenn dies nichts hilft, dann ...

  • ... alleine eine Beratungsstelle aufsuchen. Dort könnte sich bereits eine Lösung abzeichnen. Wer den Lebensmittelpunkt des Kindes bei sich wünscht, sollte nicht voreilig aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Bei späteren gerichtlichen Auseinandersetzungen wird dieser Schritt meistens als "geringere Eignung für den Lebensmittelpunkt des Kindes" ausgelegt. Manchmal kann auch ...

  • ... ein Gespräch mit Freunden hilfreich sein. Doch es darf nicht darum gehen, wer "recht hat", sondern wer die Fähigkeit besitzt, die angespannte Lage zu entspannen. Es hilft niemandem, aus Gefälligkeit mit seinen Freunden zu sympatisieren und den jeweils anderen als "böse" zu sehen. Dies ist in der Tat nicht immer einfach. Es hilft auch, ...

  • ... einen Verein aus der unmittelbaren Nähe aufsuchen, der sich mit Trennungs-Situationen befasst. Außenstehende, die auf diesem Gebiet bereits Erfahrungen haben, können dann oft weiterhelfen. Wann und ob das Jugendamt kontaktiert werden sollte, muss individuell geklärt werden. Gesetzlich gesehen ist das Jugendamt dazu verpflichtet, in Umgangsstreitigkeiten zu vermitteln. Da sich aber viele Gerichte auf eine vorgeschaltete Beratungs- und Vermittlungspflicht der Jugendhilfe berufen, wird ein Gespräch mit dem Jugendamt daher sowieso stattfinden. Daher: alles vorher genau besprechen! Wenn sich auch dann keine Einigung ergibt und schon über mehrere Wochen kein Kontakt zu seinem Kind besteht, dann dringend...

  • ... einen Rechtsanwalt aufsuchen, um dort die rechtliche Situation zu besprechen. Dieser Schritt ist aber solange zu vermeiden, solange die oberen Punkte aussichtsreich sind. Denn in dieser Phase gibt es oft kein Zurück mehr zu einem vertrauensvollen Gespräch mit der Partnerin. Allerdings wäre es auch nicht im Sinne seines Kindes, es noch länger hoffen und warten zu lassen, seinen Vater wieder zu sehen. Wenn beide Eltern auch dann ihre Differenzen nicht ausräumen können, werden gerichtliche Schritte nötig sein. Innerhalb von vier Wochen nach Antragstellung seines Rechtsanwalts sollte dann ein Gerichtstermin stattfinden. Im Gerichtsverfahren wird dann weiter vermittelt und die Interessen beider Elternteile besprochen.


  • Wer ist in der Erziehung "besser", Mütter oder Väter?

    Keiner von Beiden! Bevor ich unten die aktuelle Rechtssituation beschreibe, möchte ich meine persönliche Vision beschreiben: Frauen und Männer unterscheiden sich, seelisch gesehen, grundsätzlich. Wer hat es etwa noch nicht erlebt, dass er als Mann einer Frau einen praktischen, gut gemeinten Rat gibt, aber schroff abgewiesen wird? Undankbarkeit gegenüber dem "besseren" Mann? Keineswegs! Daher sollten Beide grundsätzliches Interesse haben, sich gegenseitig genau kennenzulernen. Es gibt bereits recht viele Gesprächskreise und Gruppen, welche Türen zum gegenseitigen Austausch öffnen. Diese Gruppen werden überwiegend von Frauen als von Männern aufgesucht. Also, liebe Männer, tut mal was für Euch und schaut mal nach, wie Andere Euch sehen! Alle würden davon profitieren, besoners Eure Kinder. Der Fingerzeig auf die "bösen Mütter" bringt niemanden auf die Dauer weiter. Nein, ganz so schlimm ist es aber doch nicht. Erfreulich finde ich zum Beispiel, dass viele Vätergruppen einen immer größer werdenden Zulauf von Frauen haben. Ein hoffnungsvoller Ansatz. Denn bei Frauenrechtlerinnen gab es kaum die Bereitschaft, Männer ins Boot zu holen.

    Glücklichsein ist eine Tugend, weil ein glücklicher Mensch kein Unglück für andere erzeugt. Nur ein glücklicher Mensch kann zum Glück der anderen beitragen.

    Wieviel Jahre haben wir in Schule, Uni, Ausbildung oder Seminare verbracht! Dabei ging es doch überwiegend darum, wie man Geld verdient, oder? Dies wurde derart schleichend aber exzessiv betrieben, dass Skrupellosigkeit kaum jemandem wirklich auffiel. Und heute erfahren wir bei vielen Politikern, Richtern, Jugendämtern, Rechtsanwälten und Mitmenschen den Scherbenhaufen: Zu oft werden Tugenden geprädigt, aber unter dem legalen Deckmantel der Professionalität und Personalknappheit ins Gegenteil gekehrt. Wundert Ihr Euch überhaupt noch? Ich längst nicht mehr. Nutzt die Gelegenheit. Jeder Tag kann ein Neuanfang sein!

    Rechtliches

    Die Rolle des Kindes:

    Der Gesetzgeber definiert das Wohl des Kindes ganz klar im Umgang mit beiden Elternteilen. Auch wenn die Rechtswirklichkeit anders aussieht dürfen beide Elternteile ihr Kind nicht gegen den jeweils anderen aufhetzen oder instrumentalisieren. Persönliche Kränkungen gehen das Kind nichts an. Kinder werden vom Gericht schon ab dem 3. Lebensjahr angehört. Ab dem 10. Lebensjahr wird ihre persönliche Meinung stärker berücksichtigt. In Ausnahmefällen mag dieses gerechtfertigt sein. Grundsätzlich sollten Kinder in den Elternkonflikt nicht eingebunden werden. Das entspricht nicht dem Interesse des Kindes, sondern ist eine Form des Missbrauchs und daher abzulehnen.

    Das Wohl des Kindes:

    Jeder, der in ein Familien-Rechtsstreit verwickelt ist, wird zwangsläufig mit dem Begriff "Wohl des Kindes" konfrontiert werden. Aber Vorsicht: So freundlich und wohlwollend dieses Wort auch klingt, so dubios und sogar missbräuchlich wird es eingesetzt. Warum? Haben Sie jemals einen Menschen erlebt, der von sich behauptet, er würde nicht zum “Wohl des Kindes“ handeln? Ich noch nie! Dennoch reden und schreiben Juristen und Politiker ständig, wie wichtig ihnen das “Wohl des Kindes“ ist. Kein Begriff wird so oft missbraucht wie dieser. „Der Begriff ‚Kindeswohl‘ zwingt zur Willkür, der Begriff ist nicht auslegungsfähig ! Dieser Begriff „WOHL“ verlangt von dem Anwender (also vom Richter) SEINE eigenen unbewussten Wertmaßstäbe anzuwenden und zu projizieren. Das Wort ‚WOHL‘ ist weder anwendbar noch überprüfbar.“ - (Ehemaliger Familienrichter und Rechtsanwalt Hans-Christian Prestien)
    Je nach Kapazität und Ideologie der Behörden und Fachleute wird dieser Begriff äußerst variabel gebraucht. Das Wort "Kindeswohl" ist eine falsche Übersetzung aus der UN-Kinderrechtskonvention! Eine korrekte Übersetzung müsste heißen "bestmögliche Gewährleistung der Interessen des Kindes" oder kurzgefasst - “Interesse des Kindes“. Diese korrigierte Form von Übersetzung wäre ein wichtiger Schritt zu einer fairen Rechtspraxis für Deutschlands Kinder. Aber ebenso wichtig wäre dabei, diesen richtungsweisenden Begriff bewusster, statt wie bisher allzu leichtfertig einzusetzen.

    Umgangsrecht:

    Sofern das Kindeswohl nicht gefährdet ist, hat jeder Vater, unabhängig vom Sorgerecht, das Recht auf Umgang mit seinem Kind. Immer noch üblich und völlig überholt, ist die 14tägige Regelung, von Freitag bis Sonntagabend. Üblich sind auch die Hälfte der Ferien und der hohen Feiertage. Eine gesetzliche Regelung gibt es nicht. Mitberücksichtigt wird der Wohnort sowie Alter und Gesundheitszustand des Kindes.

    Im Interesse des Kindes sollte das paritätische Wechselmodell angestrebt und gesetzlich ermöglicht werden. Diese Regelung sieht vor, dem Kind zwei Lebensmittelpunkte im Wechsel zu bieten,wobei beide Eltern für den Naturalunterhalt gleichermaßen aufkommen. In Belgien ist die alternierende Beherbergung" schon lange die Regel und das Residenzmodell die Ausnahme. Wenn der Umgang zum Kind strittig ist, kann das Gericht vermitteln, selbst entscheiden oder ein Gutachten einholen. Gesetzlich ist der Ermessensspielraum immens und reicht vom Umgangsausschluss bis zu Haftanordnung. In der Realität fallen die willkürlichen Entscheidungen allerdings meistens zu Ungunsten der Väter und Kinder aus. Wenn Umgangsbeschlüsse nicht eingehalten werden, passiert in der Rechtswirklichkeit der Mutter nichts. Dem Vater, allerdings, wird meist mangelnde Erziehungs- und Kooperationsbereitschaft vorgeworfen.

    Im Gegensatz zu andern Staaten bewerten Deutsche Familiengerichte das Kontinuitätsprinzip höher als die Bindungstoleranz. In den USA hingegen lebt das Kind im Trennungsfall bei dem Elternteil, welches den Kontakt zum anderen Elternteil positiv fördert. Hier steht die Bindungstoleranz über der Kontinuität.
    Umgangsboykott ist Kindesmissbrauch.