Trennen sich Eltern, bleiben die Kinder in der Regel bei der Mutter und besuchen den Vater nur gelegentlich. Mit dieser traditionellen Rollenverteilung wollen sich Eltern heute oftmals nicht mehr zufriedengeben und entscheiden sich für das Wechselmodell: Wochen- oder tageweise pendeln die Kinder – ein fairer Deal?

Artikel der Kieler Nachrichten vom 26.05.2017


Der Bundesgerichtshof sorgte mit einem deutlichen Votum pro Doppelresidenz nun für Rechtssicherheit. Streit zwischen den Eltern ist kein Grund, ein Wechselmodell abzulehnen

In seiner Entscheidung XII ZB 601/15 vom 1. Februar 2017 stellt der Bundesgerichtshof (BGH) klar, dass die Doppelresidenz auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden kann. Das Wechselmodell (Doppelresidenz) ist bevorzugt anzuordnen, sofern sich kein deutlicher Vorteil für das Residenzmodell ergeben sollte.

Pressemitteilung Väteraufbruch für Kinder e.V.

ZDF - Heute

ARD - Tagesschau

Doppelresidenz.org


Wie steht es um die paritätische Doppelresidenz (Wechselmodell) in Deutschland?

Dazu zwei Zeitungsartikel.

1. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung – immerhin – hat die Diskussion aktuell zusammengefasst:

Zeitgemäßes Sorgerecht“ von Mona Jaeger:

http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/moderne-vaeter-werden-nach-der-scheidung-benachteiligt-14225576.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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„Aktuell zwinge der Schutz der Familie den Gesetzgeber nicht, „eine paritätische Betreuung als Regelfall vorzusehen“, entschied das Bundesverfassungsgericht im Juni vergangenen Jahres.“ [d.h. 2015].

„In Skandinavien, auch in den Vereinigten Staaten, verordnen die Gerichte das Wechselmodell den Eltern sogar in einigen Fällen, weil es dem Wohl des Kindes am meisten entspreche. Eltern in Deutschland so etwas vorzuschreiben scheint undenkbar. Väter-Verbände setzen sich aber dafür ein, dass das Wechselmodell im Unterhalts- und Sorgerecht zumindest eine Variante von mehreren wird.“

„Justizministerium hält sich bedeckt

Bislang am meisten Unterstützung gab es von der FDP. Einige Landesverbände haben sich für das Wechselmodell ausgesprochen. Jedoch …, sie ist nicht im Bundestag vertreten. Die SPD schon. Das sozialdemokratisch geführte Justizministerium, das federführend in der Sache wäre, hält sich indes bedeckt. Eine Reform des Unterhaltsrechts steht im Moment nicht auf der Agenda.“

 

2. Die tageszeitung verweist auf die Europarat-Resolution 2079 von Oktober 2015 und das "chaotische" deutsche Familienerecht.

"Volle Teilhabe an elterlicher Sorge" http://www.taz.de/!5297319/

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„In seltener Einmütigkeit haben die Ratsmitglieder etwas festgestellt, was zumindest in Deutschland für weitreichende Veränderungen sorgen könnte: …  Kinder sollen, wo irgend möglich, zu gleichen Teilen mit Vater und Mutter aufwachsen können.“

„Wäre [die deutsche] Sozialpolitik am Kindeswohl orientiert, sie würde alles tun, damit sich Väter und Mütter die Erziehungsarbeit teilen können. Auch wenn das nicht immer 50 zu 50 geht. Schon für Väter, die ihre Kinder nur alle zwei Wochen an Wochenende bei sich haben, sind die Kosten hoch. Von erziehenden Vätern aber geht das Gesetz nicht aus.“

„Ein neues Leitbild muss her, weg vom zahlenden Vater und der betreuenden Mutter. Weg von irreführenden Begriffen wie „Alleinerziehende“ oder gar „Ein-Eltern-Familie. … Das Familien- und das Justizministerium prüfen derzeit, ob und wie das Wechselmodell umgesetzt werden könnte.“



Vollständigen Mitschnitt des Vortrages zum Wechselmodell von Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf, Autorin von „Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis“ im Rahmen des 4. Bundeskongress „Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Sorgerechts- und Umgangsverfahren“

21. – 23.11.2013


Veröffentlicht am 25.07.2016

www.evhn.de
Forum Forschung - Entwicklung -Transfer


Am 02.10.2015 fand eine Sitzung der parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg statt. Alle Mitgliedsstaaten wurden aufgefordert, die Doppelresidenz/Wechselmodell, also die Betreuung von Trennungskindern durch beide Elternteile, als bevorzugtes anzunehmendes Modell im Gesetz zu verankern. Die Resolution wurde mit 46 Stimmen dafür:, 0 Gegenstimmen und 2 Abwesenden einstimmig verabschiedet und soll nun von den Mitgliedsstaaten ratifiziert werden.

EUROPARAT unterzeichnet einstimmig Resolution 2079 zur RATIFIZIERUNG

***** DOPPELRESIDENZ / WECHSELMODELL *****

als STANDARD in allen Mitgliedsstaaten insbesondere in: D + A + CH

Die über 50 Internationalen wissenschaftlichen Langzeitstudien, als Grundlage der Entscheidung, lassen keinen Zweifel mehr daran, was dem Kindeswohl entspricht: Zwei Zu Hause zu haben.

"Die Erfüllung der Pflichten der Eltern gegenüber ihren Kindern bei gleicher Betreuungsleistung und gemeinsamer Unterhaltsleistung, ist zweifellos die beste Lösung".

Unterzeichner der Resolution:

...für Deutschland:

Frau Mechthild Rawert, SPD, MDB, Wahlkreis Berlin-Tempelhof

Herr Josip Juratovic, SPD, MDB, Wahlkreis Heilbronn

Kommentar von Dr. Volker Rabaa: Für die Rechtsprechung und die Rechtspraxis in Deutschland ist der Fall klar. Eine Doppelresidenz nach Trennung der Eltern (Wechselmodell) sieht das Deutsche Familienrecht nicht vor, wie das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung vom 24.6.2015 erst jüngst entschieden hat. Das Wechselmodell wird nur ausnahmsweise und allenfalls dann, wenn es dem Kindeswohl entspricht, akzeptiert.

Die Re­so­lu­tio­nen des Eu­ro­pa­ra­tes set­zen, eben­so wie der eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof als In­sti­tu­ti­on des Eu­ro­pa­ra­tes, zwar mo­ra­li­sche Stan­dards, sie haben aber kei­ne di­rek­te rechts­ver­bind­li­che Wir­kung in den Mit­glieds­staa­ten. Das Bundesministerium der Jus­tiz­ hat be­reits mitgeteilt, dass mit einer raschen Umsetzung der Re­so­lu­ti­on in nationales Recht zeit­nah nicht zu rechnen ist.