Expertise aus dem Projekt „Kinderschutz bei hochstrittiger Elternschaft“

Deutsches Jugendinstitut, Dipl.-Psych. Stephanie Paul, gefördert und finanziert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

1. Emotionale Verunsicherung/ unsicheres Bindungsverhalten

2. Schwierigkeiten bei der Affektregulation/ emotionale Störungen

3. Schwierigkeiten in der Gestaltung der Beziehung zu Gleichaltrigen

4. Problematische Eltern-Kind-Beziehung / erhöhtes Ausmaß negativer Eltern-                Kind-Interaktionen

5. Parentifizierung

6. Loyalitätskonflikte

7. externalisierende Verhaltensauffälligkeiten (Aggressivität, Feindseligkeit,                     Delinquenz, Schulverweigerung)

8.  internalisierende Verhaltensauffälligkeiten (Depressivität, Ängstlichkeit, Rückzug)

9.   ungünstiges Bewältigungsverhalten stressreicher Situationen

10. geringes Selbstwertgefühl und Kontrollüberzeugungen

11. geringere akademische Leistungsfähigkeit

12. Entfremdung/ Kontaktabbruch zu einem Elternteil

13. Beeinträchtigungen in der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung

Bei diesen Kindern ist folglich eine dauerhafte psychische und physische Belastung (durch die Entwicklung psychosomatischer Störungen) wahrscheinlich – zudem eine dauerhaft verminderte Kompetenz bei der Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen. Demgemäß erhöht sich auch das Risiko für die nachfolgende Generation: die Kinder der Kinder hochstrittiger Scheidungspaare.

www.dji.de/index.php?id=41434


Oft sitzt der Schmerz durch Trennung von Kind und Partner tief und mancher weiß, neben all den Herausforderungen die sich plötzlich stellen, gar nicht wie er sich verhalten soll oder was er tun kann.

Das schaffe ich schon allein

sind nach unserer Erfahrung typische Sätze gerade von Vätern und mitunter die erste Fehleinschätzung. Selbst wenn die mentalen Ressourcen reichen sollten, so ist man doch ohne eine entsprechende Übung den Fallstricken der deutschen Familienrechtspraxis hoffnungslos ausgeliefert. Aber, wer kann helfen?

Ein Rechtsanwalt ?

Das ist oft ein Irrglaube. Wenn es um das Scheidungsrecht, oder klare materielle Ansprüche geht, stimmt das zwar auch nicht immer, aber doch häufig. Wenn es aber um Kinder, also etwa die elterliche Sorge oder ein Umgangsrecht geht, lehren uns die Erfahrungen äußerste Vorsicht. Mehr, als wir das je geahnt hätten, berichtet eine große Zahl betroffener Eltern, dass sie von ihrer Anwältin oder von ihrem Anwalt schwer enttäuscht sind. Um so wichtiger ist es, sich einen Eindruck von der Person des Anwalts zu machen. Der Anwalt sollte auf jeden Fall ein Fachanwalt für Familienrecht sein. Bei der Auswahl ist es ratsam um ein “Informelles Gespräch“ zu bitten, welches im Gegensatz zu einem “Beratungsgespräch“ kostenfrei ist. Die Kreisgruppe Kiel, des VAfK, gibt keine Anwaltsempfehlung. Es werden allerdings Mitglieder an Mitglieder vermittelt, die sich dann gegenseitig austauschen können.

Prozessvertretung

Während Unterhaltsverfahren inzwischen immer eine anwaltliche Vertretung vorsehen, kann sich jeder in so genannten isolierten Familiensachen zum Umgangsrecht oder zur elterlichen Sorge selber vertreten. Unabhängig, ob sich ein Elternteil selber vertritt, einen Beistand hinzuzieht oder sich anderer Hilfe bedient, die Entscheidungen und die Verantwortung zum Vorgehen bleiben bei dem Elternteil. Allerdings wird das vom Beistand Vorgetragene vor Gericht so bewertet, als hätte man es selbst vorgetragen. Wer mit dem Ergebnis einer Verhandlung nicht zufrieden ist, muss während der Verhandlung widersprechen.

Das Jugendamt

Vorsicht ist auch hier ein wichtiger Ratgeber. Wir kennen nicht alle Jugendämter, können wir auch gar nicht. Wir wissen auch von Jugendämtern, die wirklich engagiert Kinderrechte und Elternpflichten im Fokus haben und bereit sind, auch einmal einer Mutter klar die Meinung zu sagen. Wenn wir aber die Berichte aus dem Kreis unser Mitglieder hören, können wir den Gang zum Jugendamt, jedenfalls für einen Vater, eher nicht empfehlen, jedenfalls nicht ohne Warnung und auf keinen Fall ohne Beistand. Die Kreisgruppe Kiel, des VAfK, bietet Mitgliedern eine Beistandsschaft an.

In einer Onlineumfrage melden über 60% der Teilnehmer, dass durch das Jugendamt erheblicher Schaden angerichtet worden sei, während nur unter 13 % angeben, dass sie mit dem Jugendamt gute Erfahrungen gesammelt hätten (deutschland-stimmt-ab.de). Nach den Berichten unserer Mitglieder ist dort zunächst einmal häufig eine überproportionale Frauenquote anzutreffen und entsprechend auch eine geschlechtersympathische Beratung und Hilfe. „Nun lassen Sie die Mutter doch erst einmal in Ruhe“, “das Streiten macht die Sache doch nur schlimmer“ wird uns gegenüber oft zitiert.

Ein Sonderproblem ist der Vorwurf des „Sexuellen Missbrauchs“ und der „Häuslichen Gewalt“. Leider deuten die Berichte unserer Mitglieder darauf hin, dass diese Vorwürfe überwiegend frei erfunden werden. Sicher gibt es sexuellen Missbrauch auch durch die leiblichen Eltern, aber aus diesem Kreis stammen in den allermeisten Fällen eben gerade nicht die Täter. Onkel, Tanten, Stiefeltern und nahe Freunde stellen nach vielen seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen den größten Anteil an Tätern,- nicht die leiblichen Eltern. Daher liegt es geradezu auf der Hand, dass der Vorwurf als taktisches Mittel eingesetzt wird, also frei erfunden ist. Das trifft in letzter Zeit auch vermehrt für den Gewaltvorwurf zu. Statistisch kann ein Vater nur ganz selten damit rechnen, dass ihm das Jugendamt bei einem solchen Vorwurf zur Seite steht. Im Gegenteil. Meistens werden bloße Behauptungen als wahrheitsgetreu aufgenommen und überzogene Maßnahmen getroffen. ACHTUNG – WARNUNG Unterschreiben sie keine, von den Jugendamtsmitarbeitern erstellten Schriftsätze (Kontrollvereinbarungen, ect.). Konsultieren sie vorher uns oder einen Anwalt für Familienrecht. Nehmen sie zu Einzelgesprächen immer einen Beistand (Person ihres Vertrauens) mit.

Zu dem wurden die Deutschen Jugendämter mehrfach von dem Petitionsausschuss des Europaparlaments kritisiert. Der Ausschuss ist der Auffassung, dass die Bundesrepublik Deutschland die Menschenrechte missachtet.

Selbsthilfegruppen

Solche gibt es. Der bundesweit tätige Verein, “Väteraufbruch für Kinder“ (VAfK), hat viele regional tätige Gruppen, die Selbsthilfe und auch Einzelfallberatung anbieten. Der direkte Austausch mit anderen Eltern, die Vergleichbares erlebt haben, wird fast immer als sehr hilfreich und aufbauend beschrieben. Man hat nicht mehr das Gefühl, allein zu sein, wenn man andere Eltern trifft, die verstehen können was einen bewegt. Schwerpunkt des, VAfK,ist der Erfahrungs- und Informationsaustausch in Bezug auf das Interesse des Kindes.

Ich selbst

Das ist auch eine richtige Erkenntnis. Natürlich braucht jeder Betroffene Rat und Bestärkung, aber dass er am Ende die Entscheidung nur selbst treffen kann, ist sicher richtig.

Dokumentation

Sehr empfehlenswert ist es, alle Ereignisse in einem Tagebuch aufzuschreiben. Es wird später helfen, konkrete Tatsachen in die Erinnerung zu rufen. Allerdings muss auch die andere Wahrheit angesprochen werden. Das betroffene Kind will in den allermeisten Fällen dieses Tagebuch später, als Erwachsener, nicht(!) lesen, es möchte nämlich gar nicht aufgeklärt werden, welcher Elternteil ihm damals geschadet hat. Erwachsene konstruieren sich ihre eigene Wahrheit, die meistens losgelöst vom elterlichen Trennungskonflikt gebildet wird.

Mediation

Es macht sicherlich immer wieder Sinn den Weg der Mediation zu gehen.
Ein Wermutstropfen sei aber schon hier an dieser Stelle erlaubt: Oft erwarten die Eltern von der Mediation, dass der neutrale Mittler gerade nur der anderen Seite endlich einmal klar macht, was richtig oder falsch ist. Dann wird die Mediation natürlich scheitern. Also einerseits kein Wunder erwarten und andererseits eigene Beweglichkeit einbringen und Befindlichkeiten zurücknehmen. Häufig ist eine pragmatische Herangehensweise die richtige. Zunächst wieder ins Gespräch kommen, um beispielsweise die Übergaben fürs Kind wieder gemeinschaftlicher zu gestalten, als längere Sitzungen über die Schuldfrage abzuhalten.

Mediation wird von den Jugendämtern angeboten und anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen. Auch verschiedene Vereine sind kompetent und bieten Mediationen an. Wenn Eltern eine Mediation befürworten, könnten sie Bonuspunkte sammeln. Wenn Väter Mediationen ablehnen wird diese Haltung, in der gerichtlichen Auseinandersetzung, negativ ausgelegt.

Umgangsformen

Nicht nur im richtigen Leben, sondern gerade auch bei Konflikten, wird sich ein gepflegter Umgangston immer positiv auswirken, wenn damit nicht auch gleich der wesentliche Teil der Sachargumentation geopfert wird.
Wer kommunikationskompetent ist, also zuhören kann und in der Lage ist, seine eigenen Ansprüche sachlich darzustellen, und - das ist wichtig - auch begründen kann, wird leichter ernst genommen.

Unsere Kinder

sind das Wichtigste, stimmt! Kein Kind sollte ohne Vater aufwachsen. Erwachsen werden sie uns fragen, warum wir nichts gemacht haben, und dann dürfen wir nicht ohne Antwort dastehen. Wir sind überzeugt, dass es oft gut ist, sich zurückzunehmen, aber das darf niemals auf dem Rücken unserer Kinder geschehen. Wir machen vieles mit, aber allein lassen wir unsere Kinder nicht. Und wenn die Kinder uns beschimpfen, den Umgang ablehnen und uns dämonisieren, dann sagen sie das nur, meinen tun sie es nicht. Wir sollten dann unsere Kinder zwar wie immer ernst nehmen, aber entschieden sagen: „Keine Sorge mein Kind, auch wenn du mich jetzt beschimpfst, ich liebe dich und stehe zu dir, versprochen!“